BDSM ist ein weites Feld voller Vielfalt, Kreativität und individueller Vorlieben. Wer die verschiedenen Spielarten kennt, kann bewusster auswählen, experimentieren und seine Szenen sicher und intensiv gestalten. In diesem Artikel bekommst du einen umfassenden Überblick über die zentralen Spielarten, ihre Wirkung, Risiken und Möglichkeiten.
1. Bondage & Fesseltechniken
Bondage bezeichnet das kontrollierte Fesseln oder Fixieren einer Person, meist Submissiver. Ziel ist nicht nur körperliche Immobilisierung, sondern auch psychologische Wirkung: Hingabe, Loslassen und Fokus auf den Moment.
Varianten
Seilbondage (Shibari/Kinbaku):
Ästhetisch anspruchsvoll, komplexe Muster
Spannung gezielt einsetzen, Körperbereiche schützen
Fesseln mit Handschellen, Gurten oder Klettbändern:
Einfacher Einstieg, flexibler und schnell einsetzbar
Fixierungen für spezielle Positionen:
Suspension (abhängige Fesselungen), Bodenfixierungen
Sicherheitsaspekte
Knoten immer lösbar halten, Schere griffbereit
Durchblutung, Nervenschutz, Beweglichkeit beachten
Kommunikation über Wohlbefinden und Safewords während der Szene
2. Impact Play
Impact Play umfasst das gezielte Schlagen oder Klopfen, um Reize zu erzeugen. Intensität und Wirkung hängen von Werkzeug, Technik und Schlagzone ab.
Werkzeuge
Hände, Flogger, Paddel, Peitschen, Canes
Unterschiedliche Materialien erzeugen verschiedene Empfindungen
Ziel und Wirkung
Körperliche Stimulation (Schmerz-Lust-Überschneidung)
Psychologische Wirkung: Vertrauen, Hingabe, Subspace
Emotional: Intensives Erlebnis, Machtbalance
Sicherheitsaspekte
Schlagzonen kennen (Gesäß, Oberschenkel, breite Rückenpartien)
Nicht auf Wirbelsäule, Nieren, Kopf, Gelenke
Intensität langsam steigern, Pausen und Feedback einbauen
3. Machtspiele & Rollen
Hier geht es um psychologische Dynamik, Kontrolle und Unterwerfung.
Rollen
Dominant (Dom/Domme): Führt, kontrolliert, sorgt für Sicherheit
Submissiv (Sub): Gibt Kontrolle ab, erlebt Hingabe, Subspace
Switch: Flexibel zwischen Dominanz und Submission
Psychologische Effekte
Vertrauen aufbauen
Emotionale Intensität steigern
Macht und Verantwortung bewusst erleben
Rollenspiele
Kreative Szenarien: Lehrer/Schüler, Arzt/Patient, Fantasiecharaktere
Intensiviert Dynamik, steigert emotionales und sinnliches Erleben
4. Sinnes- und Wahrnehmungsspiele
Hierbei geht es um die gezielte Stimulation oder Einschränkung der Sinne.
Beispiele
Blindfolds: Entzug des Sehsinns, Verstärkung anderer Sinneswahrnehmungen
Temperature Play: Eis, warme Wachs-Tropfen, Stoffe, Temperaturkontraste
Taktiles Spiel: Kratzen, Streicheln, Massieren, Druckreize
Geräusche & Stimme: Kommandos, Musik, Atemgeräusche
Ziel
Konzentration auf einzelne Reize
Erhöhung der psychischen und körperlichen Intensität
5. Psychologische Spielarten
Manchmal wirkt BDSM mehr im Kopf als auf dem Körper.
Edge Play: Grenzüberschreitende Szenen mit bewusstem Risiko
Mindfucks / mentale Spiele: Sub bewusst manipulieren, psychologische Intensität erzeugen
Humiliation & Sensual Domination: Lust und Kontrolle über emotionale Ebenen
Achtung: Diese Spielarten erfordern erfahrenes Handling, klare Safewords und tiefes Vertrauen.
6. Fetische & Vorlieben
Viele BDSM-Spielarten integrieren spezifische Fetische:
Materialien: Leder, Latex, Seide
Körperteile: Füße, Hände, Haare
Rituale und Kleidung: Uniformen, Korsetts, Accessoires
Rollenspezifische Fetische: Pet Play, Medical Play, Age Play
Fetische sind persönliche Vorlieben und können Szenen intensivieren, sollten aber immer einvernehmlich eingesetzt werden.
7. Sexualität & erotische Spielarten
BDSM kann, muss aber nicht sexuell sein. Wenn Sexualität integriert wird:
Erotische Bondage: Verbindung von Fesseln und sexueller Stimulation
Impact Play mit sexueller Komponente
Rollenspiele mit erotischer Spannung
Auch hier gilt: Kommunikation, Einvernehmlichkeit und Grenzen stehen an erster Stelle.
8. Kommunikation, Safewords und Grenzen
Unabhängig von Spielart gilt:
Safewords & Signale: Unerlässlich in jeder Szene
Grenzen kennen und respektieren: Physisch, psychologisch, emotional
Feedback & Reflexion: Vor, während und nach Szenen, besonders bei komplexen Spielarten
9. Aftercare
Aftercare ist essenziell, insbesondere nach intensiven Szenen:
Physische Pflege: Massage, Kühlung, Eincremen
Emotionale Betreuung: Nähe, Gespräche, Stabilisierung
Reflexion: Was war angenehm, was intensiv, wo können Grenzen verschoben werden?
